Installationen, Videos und Projekte im öffentlichen Raum


von Oliver Ressler

Anubumin

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Ein Film von Zanny Begg & Oliver Ressler, 18 Min., 2017

In ihrem vierten gemeinsamen Film fokussieren Zanny Begg und Oliver Ressler auf Nauru, eine winzige abgelegene Insel im Pazifik mit 10.000 EinwohnerInnen. Der Titel „Anubumin“ bedeutet auf Nauruisch „Nacht“ und symbolisiert eine bestimmte Finsternis, die die Insel umgibt.

Die Arbeit kombiniert eine eigens für diesen Film verfasste poetische Erzählung mit Gesprächen, die mit Whistleblower in Australien geführt wurden. Die Narration behandelt verschiedene Leerstellen, die für die Geschichte und die Zukunft der Insel prägend sind. Die größte Leerstelle ist physischer Natur: Die Insel ist ein erhöhtes Riff aus Kalkspat und Phosphat auf vulkanischer Grundlage, das ab 1906 abgebaut und nach Australien exportiert wurde, als Düngemittel für die Farmen der früheren Kolonisatoren. Als der Phosphat-Abbau in den 1980ern eingestellt wurde, war Nauru bankrott und 80% der Landfläche unbewohnbar und unfruchtbar. Beim Versuch, Einnahmequellen zu erschließen, wurde Nauru in den 1990ern zu einem der wichtigsten Orte für Geldwäscherei. Nach dem Verschwinden von Geld und Bodenschätzen beteiligt sich Nauru heute am „Verschwinden von Personen“ und beherbergt ein australisches offshore Anhaltelager für Flüchtlinge.

Als Reaktion auf die Kritik an der furchtbaren Menschenrechtssituation im Internierungslager verschärfte Nauru die Zugangsmöglichkeiten zur Insel drastisch. Vier Whistleblower, die als Ärzte und Krankenschwestern im Internierungslager beschäftigt waren, beschreiben die institutionalisierten Menschenrechtsverletzungen. Sie enthüllen eine Wahrheit, die die australische Regierung zu verbergen versucht, indem sie Leute einschüchtert und zum Schweigen bringt.

Heute bedroht eine neue Leerstelle die Insel: Der steigende Meeresspiegel bedroht den Küstenrand, das einzige Gebiet, das den EinwohnerInnen noch zum Leben geblieben ist. Die Menschen, die die Wirtschafts- und Politflüchtlinge von heute einsperren, sind möglicherweise selbst die Klimaflüchtlinge von morgen. Die Nacht ist immer kurz vor der Dämmerung am Dunkelsten.

Whistleblower: David Isaacs, Mark Isaacs, Anonymous, Alanna Maycock, Hasantha Gunasekera
Das Footage wurde auf Nauru von anonymen Whistleblower aufgenommen.
Kamera: William RobertsonSound-Design: James Brown
Gedicht: Matthew Hyland & Oliver Ressler
Sprecherin: Renée Gadsden
Dank an Gabby Sutherland
Tonaufnahme des Gedichts, Farbkorrektur: Rudolf Gottsberger
Finanzielle Unterstützung von der Kulturabteilung der Stadt Wien

5 Min. langer Ausschnitt