Installationen, Videos und Projekte im öffentlichen Raum


von Oliver Ressler

Resist to Exist

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Das Projekt „Resist to Exist“ besteht aus zwei Elementen, die nebeneinander in Sichtweite von der S-Bahn Station Bispebjerg in Kopenhagen präsentiert werden.

Das erste Element der Intervention ist ein freistehendes Plakat der Größe 366 x 244 cm, das ein fotografisches Bild von eingezäunten Containern des Schifffahrts- und Erölkonzerns Maersk zeigt. Maersk ist der größte dänische Konzern und der weltweit größte Betreiber von Container-Schifffahrt. Container sind maßgeblich für den Transport von Waren rund um den Globus und daher unabdingbar für die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Weltmarkts. Große Teile des Zauns auf dem Bild sind zerstört, als ob sie in einer Aufruhr herausgebrochen wurden.

Dieses Plakat wird durch einen 12 Meter langen Zaun ergänzt, der in der Nähe des Plakats platziert wurde. Es scheint der auf dem Plakat abgebildete herausgebrochene Zaun zu sein. Der Zaun wurde mit Betonblöcken unterlegt, so dass er ein bisschen höher als das Bodenniveau ist. Diese metallene Struktur kann als Rost für einen großen Grill benutzt werden, der der Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht wird. Der Zaun, der kürzlich noch die Grenze zwischen einem transnationalen Konzern und der Öffentlichkeit bestimmte, wurde in etwas Gemeinsames („Commons“) transformiert – in etwas Erfreuliches, Praktisches und Sinnvolles, wo Menschen zusammentreffen können. Es entsteht das Bild der Enteignung der „Republik des Eigentums“ durch die „Multitude der Armen“, die „im Zentrum des Projekts der revolutionären Transformation“ auftritt[1].

Nach dem Sozialwissenschaftler David Harvey sei es die zentrale Errungenschaft des Neoliberalismus gewesen, Reichtum und Einkommen umzuverteilen, und nicht zu generieren. In dieser „Akkumulation durch Enteignung“ wird bestehender Reichtum von transnationalen Konzernen überall auf der Welt in Besitz genommen, üblicherweise den Armen oder dem öffentlichen Sektor entzogen, mit legalen oder illegalen Mitteln, zumeist aber in Situationen, in denen die Grenzen der Legalität nicht eindeutig zu bestimmen sind.[2] Das Plakat imaginiert die Wiederaneignung dieses ehemals enteigneten Reichtums, einen Versuch, ihn wieder zurückzugewinnen.

Das Projekt „Resist to Exist“ wendet Aktivitäten an, die die ProtagonistInnen sozialer Bewegungen wie die Piqueteros in den Aufständen während der Krise in Argentinien 2001 praktiziert haben. Für sie wurde das Zerstören von Zäunen und deren Wiederverwendung als Gerätschaften, um Essen zuzubereiten, zu einem Akt des Überlebens. Um zu existieren, wurden die Grenzen zu dem, was als unverrückbar schien, aufgebrochen.

Das Projekt in Kopenhagen findet auf einem ehemaligen Bahnareal statt, das die AnwohnerInnen zwischen 2002 und 2007 in einen Park (mit Grillstellen) und Kultureinrichtungen entsprechend ihrer Bedürfnisse zu transferieren versuchten; aber ihre Anliegen wurden von der Stadtverwaltung nicht berücksichtigt. Das Areal grenzt außerdem an das Føtex Einkaufszentrum an, eines von vielen Tochterunternehmen von Maersk.

„Resist to Exist“ verfolgt die Frage, ob eine aktivistische Praxis, die in einer bestimmten historischen Situation zur Anwendung kam, neue Relevanz in der momentanen Situation erhalten kann, in der nicht ein einzelner Staat, sondern das gesamte kapitalistische System in der Krise steckt.

Das Projekt wird vom 30. Juli, an dem es mit einem gratis Grillessen um 15:00 Uhr eröffnen wird, bis zum 21. August 2011 stattfinden. In diesem Zeitraum ist es rund um die Uhr für Treffen und als Grillplatz zugänglich.

 

Das Projekt wurde während einer artist’s residency bei ANA – Astrid Noacks Atelier in Kopenhagen im Juli 2011 durchgeführt und von Statens Kunstråd, Nørrebro Lokaludvalg und BM:UKK unterstützt.

Credits: Kirsten Dufour (ANA, YNKB), Katrine Skovgaard (ANA), Biba Fibiger, Andreas Lykke Jensen, Inger Kærgaard, John Jordan, Bjørn O. und Katarzyna Winiecka.

Videodokumentation: Kamera: Katarzyna Winiecka, Kirsten Dufour; Fotografin des vandalisierten Ortes: Inger Kærgaard; Musik, Sounddesign & Schnitt: Rudi Gottsberger

 

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[1] Antonio Negri and Michael Hardt: Common Wealth, Frankfurt, 2010, S. 54
[2] ebenda, S. 245