Installationen, Videos und Projekte im öffentlichen Raum


von Oliver Ressler

Nachhaltige Propaganda

Veronika Gasser

Nachhaltige Propaganda” lautet der Name des Kunstprojektes von Oliver Ressler, das im Kunstbüro zu sehen ist. Grundlage dieser Arbeit ist die Expo 2000 in Hannover, die sich unter dem Motto Mensch – Natur – Technik mit dem Schlagwort des “nachhaltigen Wirtschaftens” beschäftigt. Dieser Begriff und die um ihn kreisenden Debatten vermitteln den Eindruck, dass zwar die Technik Verursacher ökologischer Krisen sei, dass aber andererseits mit ihrer Hilfe die angerichteten Schäden wieder zu reparieren wären.

“Es gab im Vorfeld der Weltausstellung einen fünftägigen Kongress mit dem Titel ,Schöne neue Expo-Welt´. Hier wurde die Vorstellung der Technik als Retter kritisch hinterfragt”, erzählt Ressler. Die dort vertretenen Initiativen und deren Vertreter sind Grundlage für das 44-minütige Video “Nachhaltige Propaganda”. In den Video-Interviews werden diese Entwürfe eines nachhaltig reformierten Globalkapitalismus als absurd entlarvt. Der Konzeptkünstler fungiert damit als parteiischer Vermittler zwischen den Kapitalismuskritikern und Publikum: “Ich teile nicht alle Inhalte, will aber diesen Meinungen, die unterrepräsentiert sind, eine Plattform bieten. Ich wünsche mir, dass sie auf diesem Weg vielleicht in den medialen Diskurs fließen.” Neben den Expo-Kritikern wurden auch Bilder des Ausstellungsgeländes während der Bauphase von Ressler hineingeschnitten: “Die Baustellen im Video sind für mich eine Metapher für den Umbau des Kapitalismus.”

An den Wänden sind neun Farbdrucke zu sehen. Das abgebildete Material sind Visualisierungen der Expo, diese erinnern an Hintergrundbilder auf PC-Bildschirmen. Doch die Idylle der inszenierten Themenparks ist kaum wahrzunehmen, denn sie wird durch großflächige Fehlermeldungen gestört. In Dialogboxen, die normalerweise Computerteilnehmer über Probleme mit dem Gerät informieren, sind Kommentare der Ausstellungsgegner zu lesen: “Mit der Expo wird eine nachhaltige Bewirtschaftung der Welt beworben, die bestehenden Herrschaftsverhältnisse werden legitimiert und ausgebaut.” Aber die Expo ist für Ressler nur ein “symbolisches Kampffeld”, auf dem die vielfältigen ökologischen und ökonomischen Probleme des kapitalistischen Wirtschaftssystems dargestellt werden. Und so wurden die Galeriewände auch mit Begriffen aus dem “Diskurs der Nachhaltigkeit, welcher auch von großen Konzernen mitgetragen wird”, herausgepickt und mit grünen Pinselstrichen unterlegt. Dieses “green wash” (ökologisch rein waschen) symbolisiert den grünen Deckmantel unter dem sich nicht selten ein Öko-Schmäh versteckt.

Das Projekt sollte im August auch zehn Tage im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt gezeigt werden. Nach zwei Tagen wurde die Ausstellung abgebaut, ohne dass die Museumsleitung den Künstler informierte. “Anscheinend konnte die Museumsleitung keine klaren politischen Aussagen in ihren Räumen dulden und hat sie aus inhaltlichen Gründen abgedreht”, erzählt der Künstler mit einigem Verwundern aber erfreut über den “provokanten Sprengstoff” seiner Arbeit.

aus: Wiener Zeitung, 11.9.2000