Installationen, Videos und Projekte im öffentlichen Raum


von Oliver Ressler

Take The Square

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Eine 3-Kanal-Videoinstallation von Oliver Ressler

Die 2011 aufgekommenen Platzbesetzungsbewegungen und die Occupy Bewegung können als eine Reaktion von Menschen gesehen werden, die sich gegen die massive Zunahme gesellschaftlicher Ungleichheiten und den Abbau von Demokratie in Zeiten der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise zur Wehr setzen. Die Platzbesetzungsbewegungen sind nicht-hierarchisch strukturiert, sie wenden sich gegen jede Art der Repräsentation; ihre Aktivitäten werden auf direkt-demokratische Weise bestimmt. Die Besetzung von öffentlichen Plätzen dient dabei als Katalysator für die Herausbildung von Demonstrationen, Generalstreiks, Versammlungen und Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Schwerpunkten. Erfolgreiche Platzbesetzungen an einem Ort inspirieren oftmals Besetzungen in anderen Städten, ohne dass diese in einem linearen Verhältnis zueinander stehen.

Die 3-Kanal Videoinstallation „Take The Square“ (Besetzt den Platz) basiert auf Gesprächsrunden, die mit AktivistInnen von 15M in Madrid, der Syntagma-Platz-Bewegung in Athen und Occupy Wall Street in New York geführt und gefilmt wurden. In Anlehnung an die bestehenden Arbeitsgruppen der Protestbewegungen diskutieren jeweils vier bis sechs AktivistInnen als Gruppe miteinander. In den Gesprächen geht es um Fragen der Organisierung, horizontale Entscheidungsfindungsprozesse, die Bedeutung und Funktion von Besetzungen öffentlicher Räume und wie gesellschaftlicher Wandel ablaufen kann. Gedreht wurde im Frühling 2012 an jenen Plätzen, die von den Platzbesetzungsbewegungen für Versammlungen und Arbeitsgruppen benutzt werden: Am Plaza de Pontejos, einem ruhigen Platz in unmittelbarer Nachbarschaft zum zentralen Puerta del Sol in Madrid; am Plaza de la Corrala, einem Treffpunkt der Nachbarschaftsversammlung von Lavapiès in Madrid; am Syntagma-Platz, dem zentralen Versammlungs- und Demonstrationsplatz vor dem Parlament in Athen; und im Central Park in New York, wo Occupy Wall Street das „Spring Awakening 2012“ abhielt.

In der insgesamt 88 Min. langen Videoinstallation werden diese Gespräche zwischen AktivistInnen aus drei für die Bewegung zentralen Städten zusammengefügt. „Für mich sind Respekt und Inklusion die sehr mächtigen Mittel, mit denen wir unsere Macht horizontal ausbauen und wiedererlangen, ohne die Notwendigkeit von jemandem, der uns repräsentiert,“ sagt Ayelén von der Kollektiven Nachdenk-Arbeitsgruppe in Madrid. Diese Ablehnung der Repräsentation schließt zumeist auch die Parlamente ein; Menschen sollen politisiert und eingeladen werden, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Babis Magoulas von der Besetzungsbewegung in Athen meint: „Es ist der politische Prozess, aus dem der Mensch hervorgeht, der sich über das Gemeingut Gedanken macht, der partizipiert, der die Politik nicht den ‚Experten’ überlässt, seien sie nun Syndikate oder politische Parteien. Und direkte Demokratie wurde nicht verhängt, sie wurde als einzige Form zusammenzukommen angewandt. Wäre das nicht horizontal verlaufen, hätte es keine Bedeutung.“ Für Jen Waller von Occupy Wall Street entsteht dabei „die erste Bürgerbewegung, die die herrschende Klasse zum Feind erklärt hat“.

„Take The Square“ versucht einen Beitrag zu leisten, das organisatorische Wissen der Bewegungen zu verbreiten und Übersetzungsvorgänge zwischen den Plätzen in Gang zu bringen.

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4-minütiger Ausschnitt aus der Videoinstallation (Athen)