Installationen, Videos und Projekte im öffentlichen Raum


von Oliver Ressler

The Fittest Survive

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Oliver Ressler, 23 Min.

Faktoren wie „Gefahr“, „Risiko“ und „Wildnis“ sind längst nicht mehr die dunkle, unterschlagene Kehrseite des Globalisierungstraums. Diese vermeintlich abschreckenden Faktoren sind der Widerstand, gegen den sich nur die Besten und Stärksten durchzusetzen scheinen, sind also gewissermaßen der Maßstab für Leistungen in der Disziplin Ökonomie. Der Ökonomie wird eine eigene Gesetzlichkeit zugeschrieben, die unumgänglich Härte und Rücksichtslosigkeit erfordert, was besonders deutlich in den Wachstumsmärkten in Krisenregionen wird. Dieser kriegerische Charakter der Ökonomie lässt das Leben als einen Kampf erscheinen, in dem immer höhere Leistungsanforderungen an das einzelne Individuum gestellt werden.

Um auf diese konkurrenzbetonte, sozial-darwinistische Hackordnung des globalen Kapitalismus vorzubereiten, bieten private Sicherheitsunternehmen eigens entwickelte Trainingsprogramme für ZivilistInnen an, in denen Konfliktsituationen bis zu Kriegsszenarien simuliert werden. Eines dieser Unternehmen ist die britische AKE Group, die laut Webpage ihren „Klienten einen Wettbewerbsvorteil verschafft, sich sicher in Gebieten engagieren zu können, die sonst für Geschäftsgelegenheiten möglicherweise nicht zugänglich wären.“

Das Video „The Fittest Survive“ basiert auf Aufnahmen aus dem 5-tägigen Kurs „Surviving Hostile Regions“, der im Jänner 2006 von der AKE Group in Wales in Großbritannien durchgeführt wurde. Die Ausbildner sind ehemalige britische Elitesoldaten. Die TeilnehmerInnen sind Manager, die sich auf Geschäftsaufenthalte im Irak und anderen gefährlichen Regionen vorbereiten, Regierungsmitarbeiter und MainstreamjournalistInnen, die mit ihren verlogenen Diskursen von Demokratie und Menschenrechten die wirtschaftlichen Expansionsbestrebungen ideologisch legitimieren und absichern helfen.

Das primär mit der Handkamera aufgenommene Video folgt den KursteilnehmerInnen durch die inszenierte Realität im Survival Camp, in dem sie den Beschuss durch Granaten, einen Überfall durch bewaffnete Guerillakämpfer, die Bergung von Unfallopfern und das Bewegen in Minenfeldern praktisch erleben. Über dem Trainingscamp in Wales halten tief fliegende britische Kampfjets Manöver ab und deuten bereits die realen Kriegsschauplätze an, in denen sich die KursteilnehmerInnen schon bald aufhalten werden.

 

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