Installationen, Videos und Projekte im öffentlichen Raum


von Oliver Ressler

War Zones

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Martin Krenn & Oliver Ressler

Die fünf Fototextmontagen mit dem Titel “War Zones” fokussieren Kriege, die mit militärischen, ökonomischen, politischen und propagandistischen Mitteln geführt werden, um die Herrschaftsverhältnisse innerhalb der kapitalistischen Weltwirtschaftsordnung zu zementieren bzw. auszuweiten. Dabei werden die ethnischen und sozialen Grenzen, die sowohl innerhalb, als auch außerhalb von Nationalstaaten und supranationalen Staatengebilden verlaufen, nach strategischen, ökonomischen und militärischen Kriterien abgesichert oder neu gezogen.

Den Fototextmontagen “War Zones” liegt die Vorstellung eines “Krieges neuen Typs” zugrunde, der das hegemoniale neoliberale Wirtschaftssystem durch die politische und militärische Disziplinierung innerhalb und außerhalb der kapitalistischen Zentren vorantreibt. Man spricht von einem “disciplinary neoliberalism” (Stephen Gill).

Die spezifische Form dieses “Kriegs neuen Typs” besteht in seiner Verdoppelung, auf der einen Ebene als ein militärisch-technologischer Machtapparat zu agieren, der mit einer totalen informatisierten Kontrolle auf das Territorium zugreift. Die andere Ebene bildet eine lokale, nationalistische und rassistische Identitäten schaffende Operation im Territorium. So entsteht eine Militarisierung gesellschaftlicher Gewaltverhältnisse von zwei Seiten, deren Massaker sich zudem gegenseitig (ver)decken.1

Jene “Kriege neuen Typs” setzen die Kontrolle über die vielfältigen politischen und sozialen Beziehungen innerhalb des Territoriums durch und weiten den kapitalistischen Einflußbereich aus. Die zu “Polizeiaktionen” oder zu “humanitären Interventionen” mutierten Kriege sind in den westlichen Staaten nicht mehr durch eine “totale Mobilmachung”, sondern die flexible Verbindung aus lokaler Betroffenheit und globaler medialer Inszenierung gekennzeichnet.

Die “War Zones” repräsentieren jedoch nicht nur die Schauplätze kriegerischer Auseinandersetzungen, sondern auch Orte, die für eine geostrategische Machtausübung und die Aufrechterhaltung dieser Macht von Bedeutung sind; in vielen Fällen genügt alleine die Präsenz des militärischen Machtapparats, um die Kontrolle über die Ökonomie und Menschen in den Peripherien ausüben zu können. Die Wechselbeziehung von militärischer und ökonomischer Macht bzw. der “Waffencharakter der globalen Ökonomie” spiegeln sich auch im personellen Bereich wieder: So sei etwa an den ehemaligen US-Verteidigungsminister Robert McNamara erinnert, der später Präsident der Weltbank wurde.

In den Fototextmontagen “War Zones” werden fünf “Kriegsschauplätze” thematisiert, in welchen jeweils exemplarisch eine spezifische Variante von Kriegsführung durch ein Bild visualisiert und einen Text kommentiert werden. Die ins Layout eingepaßten Texte beschreiben auf komprimierte Weise die “War Zones” und versuchen, die strukturellen Zusammenhänge zwischen diesen deutlich werden zu lassen. Der Blick auf diese (medial geprägten) Wirklichkeitsausschnitte ist in der grafischen Gestaltung durch einen Visor begrenzt, der jedes Territorium auf dem ganzen Globus zum potentiellen Target macht. Damit erfährt der imperialistische Blick eine kritische Repräsentation, der Menschen und Territorien ins Visier nimmt, und werden die jeweiligen Mechanismen und Funktionsweisen der Kontrolle und Disziplinierung der kapitalistischen Peripherien durch den ökonomischen, militärischen und technologischen Machtapparat der Zentren des Kapitalismus dargestellt.

1 vgl. Thomas Atzert in Jungle World, 16.6.1999, der sich in seinem Text “Das Imperium schlägt alle – Italiens linke Kriegsgegner diskutieren den postfordistischen Krieg” auf Marco Revelli bezieht.

Ein Beitrag zur Ausstellung “Publi©Domain”, 3. österreichische Triennale zur Fotografie, Graz (A)