Installations, videos and projects in public space


by Oliver Ressler

Liberalitas Bavariae (de)

Gesprächstranskriptionen von Oliver Ressler

Dokumentationsvideo zur City-Light-Serie “This is what democracy looks like (Liberalitas Bavariae)” im Stadtraum München im Rahmen der Ausstellung “Exchange & Transform” des Kunstverein München, 14.5 – 10.6.2002

“Das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit erfolgreich ausgesetzt!” … “Nächstes Jahr wieder” …

Passantin: Die Einschränkung demokratischer Rechte hat viele Abkürzungen… Oh, dazu sage ich echt nichts. No comment!

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Passant: München, eine mitfühlende und sichere Stadt. CSU… SPD…

Passantin: Also komm, ist doch ganz eindeutig. CSU stimmt, SPD stimmt, Kreisverwaltungsreferat stimmt auch. Ude, weiß ich nicht, schränkt teilweise auch ein. Und VGH weiß ich nicht, was das ist.

Oliver Ressler: Sehen Sie das auch so?

Passant: Diese Einschränkungen? Die Einschränkung demokratischer Rechte? Nein, ich nicht. Demokratie ist Widerspruch. Also, wieso sollen die genannten Dinge die Freiheit einschränken?

Passantin: Also das Kreisverwaltungsreferat ist ein Rechtseinschränkungsinstitut auf jeden Fall. Und was ist VGH, das müssen Sie mir jetzt sagen?

OR: Der Verwaltungsgerichtshof.

Beide: Ach so, ach ja.

Passant: Also, ich finde das natürlich ein bisschen provokativ, und natürlich kann man so etwas äußern. Als Provokation wäre ich einverstanden, über eine Provokation kann man immer streiten. Aber dass das eine Einschränkung demokratischer Rechte ist, das sehe ich nicht so.

OR: Haben Sie eine Idee, worauf sich das konkret bezieht, oder sehen Sie das eher als allgemeine Stellungnahme?

Passantin: Von wem ist es denn gemacht?

OR: Das wäre die nächste Frage gewesen.

Passantin: Also, man kann ja nicht so direkt die Intention erkennen. Als gut, eine mitfühlende und sichere Stadt ist so das Klischee… Das ist ein bisschen plakativ, soll’s ja auch sein…

Passant: Ja, in der Tat. Wenn’s überhaupt einen Witz hat, dann ist es ein CSU-Plakat. Das ist kein alternatives Plakat, das ist meiner Ansicht nach ein echtes politisches Plakat.

Passantin: Ach so…

OR: Sind Sie auch dieser Meinung?

Passantin (zögerlich): Nein… noch nicht. Aber der Gedanke ist interessant, da die CSU schon heraussticht mit ihrem Weiß/Blau. Und da unten, das sind die Roten, jetzt haben wir es.

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Geschäftsbesitzer: Den ganzen Tag gehen die Leute und schauen auf das Plakat…

Seine Freundin: Und es bleiben viele stehen und lesen es! Die stehen dann da und denken sich, was heißt das, was bedeutet das?

Geschäftsbesitzer: Ich sehe das ja immer von drinnen und denke mir, wieso schauen die Leute immer auf das Plakat? Dann habe ich selber geschaut und denke mir, klasse, nicht schlecht das Plakat von der CSU (lacht).

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OR: Guten Tag, Entschuldigung, wir dokumentieren gerade Reaktionen auf dieses Plakat “Es geht um München”. Ich weiß nicht, ob Sie es schon gelesen haben?

Passant: Ja, ich habe es schon gelesen, ich habe es schon gesehen.

OR: Was ist denn Ihre Meinung dazu, was könnte denn da dahinter stecken?

Passant: Ja, das ist ganz klar. Das geht um die Globalisierungsgegner, die damals demonstrieren wollten und das nicht durften, die gehindert wurden, und das wird hier eingefordert: “Nächstes Jahr wieder”.

OR: Und wie schätzen Sie das ein?

Passant: Gut so, dass es da steht. Und ich hoffe, dass das nächstes Jahr stattfindet!

OR: Und haben Sie eine Idee, von wem so ein Plakat sein könnte?

Passant: Ja, ich nehme an, ich weiß nicht mehr, wie diese Organisation heißt, dass diese Globalisierungsgegner das gemacht haben. Mich wundert, dass die die Plakatwand bekommen haben!

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Studentin: Ich war auch dabei, also es geht ja um diese Demonstrationen gegen die Nato-Konferenz, nehme ich an, von wegen Grundrecht außer Kraft gesetzt. Ich war dabei, und ich fand es super, dass sich doch was mobilisieren ließ, dass dieses Verbot gebrochen wurde. Ich finde es gut, dass das publik gemacht wird und hier dafür geworben wird.

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Passantin: Demonstrationsverbote, Veranstaltungsverbote, Polizeikessel… Alles angekreuzt. Massenfestnahmen, Einschränkung demokratischer Rechte. Jetzt sehe ich das ganz bewusst. Wenn ich einen schwarzen Stift hätte, würde ich das natürlich streichen, weil das ist unsinnig, dafür Geld auszugeben und das in Druck zu geben. Aber Sie sind nun mal Tester, und man muss halt immer sehen, dass etwas vorwärts geht. Nein, ich würde zu diesem Plakat sagen: Nein Danke!

OR: Also Sie sind gegen die Dinge, die hier angegeben werden…

Passantin: Nein, das würde ich nicht unterschreiben, das kommt nicht gut an. Das drückt die SPD etwas runter, wenn man das noch mehr in München anbringen würde.

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Passant: Man sollte diese Demonstrationsfreiheit auf jeden Fall wieder einschränken. Ich halte persönlich nichts davon, weil es sind meisten eh nur solche Gruppen, die sich einfach nur anhängen an solche Demonstrationen, die von der politischen Situation überhaupt keine Ahnung haben und sich noch nie für so etwas interessiert haben, die da einfach nur Mitläufer sind.

OR: Mitläufer wobei…?

Passant: Ja, eben bei diesen Demonstrationen.

OR: Diese Gruppen sind ja meistens die, die die Demonstrationen auch organisieren…

Passant: Genau, wenn es gut organisierte Gruppen sind, hätte ich persönlich nichts dagegen. Aber es artet ja meistens aus, dass viele Leute eben auf Krawalle aus sind.

OR: Haben Sie das auch persönlich schon mal gesehen?

Passant: Ja, im Fernsehen!

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Passantin: Also, ich bin jetzt nicht so auf dem laufenden, ich war lange nicht in München, aber es ist offensichtlich so gewesen, dass irgendwelche Demos nicht erlaubt worden sind. Ich weiß jetzt leider nicht, welche, wogegen mit diesem Plakat jetzt vorgegangen werden soll. Das ist jetzt wahrscheinlich von den Demoveranstaltern initiiert worden.

OR: Und finden Sie es gut, dass solche Plakate im öffentlichen Raum affichiert werden?

Passantin: Wieso nicht? Anders kann man ja die Leute nicht darauf aufmerksam machen, dass da was beschnitten wurde. Die meisten werden es nicht mitkriegen. Es kriegen immer nur die mit, die an der Demo teilnehmen wollten und es nicht durften, oder es vielleicht verfolgt haben. Ansonsten weiß es ja keiner, wenn die Medien das dann nicht propagieren wollen, je nachdem auf welcher Seite die Medien stehen. So gesehen ist das o.k.!

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Passantin: Ja, es geht halt darum, was halt im Februar war mit der Sicherheitskonferenz.

OR: Warst du da dabei?

Passantin: Ja, schon. Das war echt eine Sauerei, was da von der Stadt München ausgegangen ist, dass das Demonstrationsrecht für das Wochenende verboten war. Ich fand das eine ganz schöne Sauerei. Ich glaube, das Thema “Sicherheitskonferenz” ist dann etwas in den Hintergrund geraten. Ich meine, dass die meisten dort waren wegen dem gerade “jetzt erst recht”, also wir lassen uns den Mund nicht verbieten. Ja, “nächstes Jahr wieder”, schauen wir mal, wie es weiter geht!

(Besten Dank für die Unterstützung an die Rote Hilfe Ortsgruppe München)