Out of the Passage to Seize Back the Sky

Eine Installation im öffentlichen Raum von Oliver Ressler

“Out of the Passage to Seize Back the Sky”, light box, 305 x 200 cm, 2026

Die fünf Leuchtkästen, die in der unterirdischen Fußgängerpassage von Trenčín installiert sind, sind der Beitrag des österreichischen Künstlers Oliver Ressler zu “Green Line”, die Teil der Europäischen Kulturhauptstadt Trenčín 2026 ist.

Die Unterführung, die die Altstadt mit dem Fluss verbindet, ist typisch für die städtische Infrastruktur: ein niedriger, dunkler Tunnel, der Fußgänger*innen unter die Erde zwingt, damit Autos oben ungehindert fahren können. Da es nur Treppen und keinen Aufzug gibt, sind ältere Menschen und Rollstuhlfahrer*innen davon ausgeschlossen.

Obwohl das umweltschädlichste und lauteste Verkehrsmittel den begrenzten Raum in unseren Städten massiv überbeansprucht, darf es sich unter freiem Himmel ungehindert bewegen. Fußgänger*innen hingegen werden in dunkle, unsichere unterirdische Räume gedrängt. Die Passage wurde in den 1980er Jahren unter einer vermeintlich klassenlosen Gesellschaft gebaut. Heute trennt eine solche Architektur die Klassen der Menschen, die unter die Erde gedrängt werden, von denen, die sich frei über ihnen bewegen dürfen.

“Out of the Passage to Seize Back the Sky”, light box, 305 x 200 cm, 2026

„Handle so, als ob es möglich wäre, die Welt radikal zu verändern“, steht auf einem gelben Absperrband in einer fotografischen Arbeit, die Angela Davis zitiert. Die US-amerikanische Philosophin räumt ein, dass wir eine gerechte, egalitäre, radikal demokratische und befreite Gesellschaft erst aufbauen müssten, und betont, dass es keine Alternative zum Kampf gibt.

„Unter ihren Rädern, aber ungebrochen“, steht auf einem weiteren Absperrband, während über unseren Köpfen und im Schatten der Burg Trenčín Autos vorbeirauschen. „Ungebrochen“ erinnert an das Rädern, eine mittelalterliche Foltermethode, die bei öffentlichen Hinrichtungen zur Zerstörung von Körpern als Warnung für andere eingesetzt wurde. Das zerquetschte Fahrrad unter dem schweren Rad ist mehr als nur ein Symbol für ein unterdrückerisches System: Es verwandelt eine Szene der Zerstörung in eine Szene des Durchhaltevermögens. Einzelne Menschen können getötet werden, aber unser kollektiver Widerstand bleibt bestehen.

“Out of the Passage to Seize Back the Sky”, light box, 305 x 200 cm, 2026

Andere fotografische Arbeiten lassen eine Zukunft jenseits des Zeitalters des fossilen Kapitalismus erahnen: eine Zeit, in der die Dominanz der Autos und die brutalen architektonischen Formen, die mit ihnen gewachsen sind, endlich hinter uns liegen werden. In dieser imaginären Zukunft liegt der Wert nicht im Besitz von Autos, sondern in der Freiheit, sich ohne sie sicher, einfach und nachhaltig fortbewegen zu können. Wohlstand erscheint hier als eine Fülle von öffentlichem Raum, frischer Luft, zuverlässigen und gut gestalteten öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrradwegen.

“Out of the Passage to Seize Back the Sky” bekräftigt die Notwendigkeit, nach den Sternen zu greifen und das Recht, sich in der Stadt fortzubewegen, ohne vom Autoverkehr terrorisiert zu werden. Der Besitz eines Privatwagens ist nämlich mehr als nur eine lokale Katastrophe. Als eine der Hauptursachen für CO2-Emissionen und die damit verbundene globale Erhitzung hat er weltweit enorme Auswirkungen, die sich ständig verschlimmern. Die weltweit steigenden Temperaturen töten mittlerweile jede Minute einen Menschen, wie ein wichtiger Bericht über die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimakollaps zeigt.[1] Diese Arbeit betont die dringende Notwendigkeit, eine Realität zu überwinden, die sowohl lähmend als auch tödlich ist.


[1] https://www.theguardian.com/environment/2025/oct/29/rising-heat-kills-one-person-a-minute-worldwide-lancet-countdown [abgerufen: 1. November 2025]

Fotomontagen: Mateusz Niechoda