Globalizing Protest

Fotografische Arbeiten von Oliver Ressler

2004 – 2007

“Globalizing Protest” ist eine Reihe fotografischer Montagen aus Bildern, die in Innenstädten bei Protesten gegen die G8 aufgenommen wurden. Jede Fotomontage basiert auf 36 Einzelbildern. Sie dokumentieren die Holzbarrikaden, die zum Schutz der Ladenfenster bei den verschiedenen G8 Gipfeln errichtet und von Aktivist_innen für Graffiti, politische Texte und Slogans genutzt wurden.

“Untitled (Edinburgh, 7/2005)”, lambda print laminated on aluminum, 140 x 105,5 cm 2005. Installation view: “Artist-Citizen: Contextual Art Practices”, 49th October Salon, Belgrade, 2008 (photo courtesy: October Salon)

Es wurden drei Fotoarbeiten dieser Reihe realisiert:
“Untitled (Geneva 03.06.03)” wurde während dem G8 Gipfel in Genf 2003 aufgenommen, “Untitled (Edinburgh, 7/2005)” beim G8 Gipfel in Schottland 2005, und “Untitled (Rostock 6/2007)” während dem G8 Gipfel in Heiligendamm Deutschland 2007.

“Untitled (Geneva 03.06.03)”, lambda print laminated on aluminum, 140 x 105,5 cm 2004. Installation view: “After the Fact”, Berlin Photography Festival, Martin-Gropius-Bau, Berlin, 2005 (photo courtesy: Berlin Photography Festival)
“Untitled (Geneva 03.06.03)”, “Untitled (Edinburgh, 7/2005)”, lambda prints laminated on aluminum, 140 x 105,5 cm, 2004-2005. Installation view: “Globalizing Protest” (solo show), Galleria Artra, Milan, 2005

“Durch Fotos, die zeigen, wie Holzplatten, die zum Schutz von Ladenfenstern errichtet wurden, zu einer unendlichen Fläche für Texte, Graffitis und Bilder der Demonstrationen werden (die sich manchmal auch mit den Markenzeichen und Namen globaler Konzerne vermischen, die noch außerhalb der Holzplatten sichtbar sind), sehen wir, wie die Zusammenhangslosigkeit von Raum und die Zufälligkeit von Zeit die Offenlegung des Gemeinsamen ermöglicht. Von Interesse ist hier gerade die Vermischung von zusammenhangslosem Raum und zufälliger Zeit im Gemeinsamen, was eine völlig andere Kartierung der Straßen der Stadt, der Bewegungen, der Sprachen der Stadt offenlegte, parallele räumliche Bedeutungen.
Was diese Bilder zusamenhält ist nicht das gemeinsame Ziel, nicht einmal die gemeinsame Bedeutung, sondern die alternative Erzeugung von Sprache, indem nämlich Raum genommen und Zeit geöffnet wird. Die gemeinsame Erscheinung wird explizit, das ist das ‘Erscheinungsspektakel’, wie Hannah Arendt es ausdrücken würde. Als Konzequenz ist das Spektakel räumlich zusammenhangslos (da es zwar als Schutzvorrichtung erstellt, dann aber kurzzeitig zu einer angeeigneten Fläche wird) und zufällig, insofern als das Gemeinsame nicht explizit zum Programm gemacht wird, sondern eine Reaktion ist auf die kurzzeitige Dringlichkeit der Erscheinung.” (Bojana Kunst, The Collaboration and Space, Mocow Art Magazine No. 61/62, 2006)

“Untitled (Geneva 03.06.03)”, “Untitled (Edinburgh, 7/2005)”, “Untitled (Rostock 6/2007)”, lambda prints laminated on aluminum, 140 x 105,5 cm, 2004-2007. Installation view: “Revolution, I Love You”, Centre of Contemporary Art, Thessaloniki, 2008
“Untitled (Rostock 6/2007)”, “Untitled (Edinburgh, 7/2005)”, “Untitled (Geneva 03.06.03)”, lambda prints laminated on aluminum, 140 x 105,5 cm, 2004-2007. Installation view: “Revolution, I Love You”, Trafó Gallery Budapest, 2008 (photo: Gabriella Csoszo)
“Untitled (Rostock 6/2007)”, “Untitled (Edinburgh, 7/2005)”, “Untitled (Geneva 03.06.03)”, lambda prints laminated on aluminum, 140 x 105,5 cm, 2004-2007. Installation view: “Revolution, I Love You”, Trafó Gallery Budapest, 2008 (photo: Gabriella Csoszo)

“Resslers Fotografie ist ohne Aktion(en), dafür aber ein Schauplatz einer präzisen Textualität und eine mögliche Antwort auf Fragen zum Unterschied zwischen Mainstream-Journalismus, Großkapital, der Machtelite und Medienaktivismus. […] Ein objektives Kamera-Auge gibt es einfach nicht, daher vermischt sich der Kamerawinkel in Resslers Arbeiten mit der Perspektive der Demonstrant_innen. Als Zuschauer_innen haben wir direkten Bezug zu den Ereignissen, indem wir sie durch den Blickwinkel der Demonstrant_innen sehen. Die Verortung des Sichtbildes und seiner Umkehrung ist zentral. Auf das Sichtbild bezogen ist es wichtiger, das dritte Element zwischen dem Körper und diesem Bild einzubeziehen, nämlich Macht. Deswegen müssen Resslers Arbeiten durch die einzig möglichen Perspektiven betrachtet werden, nämlich die des Nicht-Essenzialismus und die einer streng antidokumentarischen Positionierung der Realität.” (Marina Grzinic and Walter Seidl, Double Check. Re-Framing Space in Photography: The Other Space, Parallel Histories. 2005)

“Untitled (Edinburgh, 7/2005)”, lambda print laminated on aluminum, 140 x 105,5 cm, 2005
“Untitled (Rostock 6/2007)”, lambda print laminated on aluminum, 140 x 105,5 cm, 2007