Ein Projekt von Massimiliano Mollona und Oliver Ressler
in zwei Fassungen:
2-Kanal-Videoinstallation, 4K-Videos, 39 Min., 2026
8K-Video (1 Kanal), 39 Min., 2026

Dieses Projekt wurde in Volta Redonda, Brasilien, gedreht – einer Stadt, die um das Stahlwerk Companhia Siderúrgica Nacional (CSN) herum entstand – und zeigt, wie industrielle Modernität, Arbeit, Umweltzerstörung und soziale Konflikte sowohl die Landschaft als auch das Leben der Menschen geprägt haben. Anhand von Aussagen von Anwohner*innen, Aktivist*innen, Ingenieur*innen, Gewerkschaftsorganisator*innen und Arbeitern zeigt die Arbeit das Stahlwerk nicht nur als Produktionsstätte, sondern als organisierende Kraft eines gesamten städtischen und ökologischen Systems.
Der Film/die 2-Kanal-Videoinstallation beginnt mit der sinnlichen Erfahrung der Umweltverschmutzung: eine braun-graue Wolke, die die Stadt und das Werk einhüllt, seit Jahrzehnten verschmutzte Flüsse, und die Normalisierung des Umweltverlusts. Aus diesen persönlichen Erinnerungen ergibt sich eine umfassendere Frage: Was sind die Kosten, in einer ökologisch ungesunden Stadt zu leben? Die Erzählung erweitert sich und zeichnet die Privatisierung von CSN in den 1990er Jahren, die Übertragung riesiger Landflächen in Unternehmensbesitz und die dramatische Verringerung des ursprünglichen Atlantischen Regenwaldes nach, wodurch fragile ökologische Fragmente zurückbleiben, die um den Erhalt der Tierwelt kämpfen. Die verbleibenden Waldreservate kämpfen mit der Reinigung verschmutzter Gewässer, während giftige Deponien und Schlackenhaufen den Zusammenbruch und eine regionale Katastrophe androhen.

Parallel zur Umweltzerstörung verläuft eine Geschichte der Organisation von Arbeit und Gesellschaft. Die Arbeit erinnert an das utopische Industrieprojekt der Vargas-Ära, als Volta Redonda als Geburtsort eines neuen brasilianischen Proletariats gedacht war. Sie erzählt von der Gründung von Gewerkschaften, Basisnetzwerken von Frauen und sozialen Bewegungen, die Streiks und kollektiven Widerstand unterstützten. Im Laufe der Zeit untergraben jedoch Deregulierung, Vernachlässigung durch das Unternehmen und Finanzkrisen sowohl den Arbeitsschutz als auch den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Arbeiter berichten von veralteten Maschinen, gefährlichen Arbeitsbedingungen, niedrigen Löhnen und tödlichen Unfällen, für die regelmäßig die Arbeitnehmer*innen statt das Unternehmen verantwortlich gemacht werden.
Rassistische und klassenbezogene Hierarchien zeigen sich in der räumlichen Gestaltung der Stadt selbst: Ingenieur*innen wohnen weit entfernt von der Umweltverschmutzung, ungelernte Arbeiter*innen sind der toxischen Belastung am stärksten ausgesetzt. Berichte über Krankheiten – von Benzolvergiftungen bei Arbeiter*innen in Kokereien bis hin zu Atemwegserkrankungen in der gesamten Bevölkerung – stellen Volta Redonda als Opferzone dar, in der wirtschaftliche Ausbeutung Vorrang vor den verfassungsmäßigen Rechten auf Gesundheit und Würde hat.
Der Film/die 2-Kanal-Videoinstallation konfrontiert uns mit einem zusammenbrechenden Industriemodell: alternde Infrastruktur, steigende Unternehmensschulden und eine Gemeinschaft, die mit Verschmutzung, Krankheit und einer ungewissen Zukunft zurückbleibt. Doch die Stimmen von Aktivist*innen und Arbeiter*innen stellen sich eine alternative Regierungsform vor – die Rückgewinnung des Unternehmens als öffentliches oder kollektives Eigentum, die Erfindung neuer Organisationsformen jenseits traditioneller Gewerkschaften und die Wiederherstellung der Solidarität angesichts der Krise.

Sprecher*innen in der Reihenfolge ihres Auftritts, einige davon anonym: Alexandre Habibe, Roberto Guião, Sandro Alves, Alexandre Fonseca, Maria Conceicao, Jessica Guerra, Rodrigo Beltrão
Regisseure: Massimiliano Mollona und Oliver Ressler
Kamera: Oliver Ressler
Drohnenaufnahmen: Wesley Pinto
Produktionsassistent: Marco Aurélio Soares Alves
Schnitt: Massimiliano Mollona und Oliver Ressler
Farbkorrektur: Rudolf Gottsberger
Sounddesign & Mix: Rudolf Gottsberger
Produzent: Oliver Ressler
Besonderer Dank gilt Felipe und Erika vom Condominio Plaza, Amanda Masha Caminals und Christoph Schwarz.
Der Film/die 2-Kanal-Videoinstallation wurde im Rahmen der Bienal Climática 2026 unter der Leitung von Amanda Masha Caminals produziert und vom BMWKMS und der Österreichischen Botschaft in Brasilia unterstützt.





